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Bei der Geburt: Wärme und Geborgenheit des schützenden Mutterleibes verlassen. Hinaus in die unbekannte Welt mit grellen Licht. Erste hastige Atemzüge, schreiend vor Schreck. Allererstes Loslassen von der bekannten Umwelt, hinein in die Fremde, nicht wissend, was wirklich geschieht. Lernen loszulassen, um die neue Welt entdecken zu können. Im Heranwachsen: die Wärme und Geborgenheit des Elternhauses kurz verlassen in die neue Welt von Kindergarten, Schule und Ausbildung. Loslassen von der unbeschwerten Kindheit, um die Herausforderung des Lebens zu meistern.
Loslassen,
immer wieder. Ein treues Haustier ist oft ein besserer Freund als mancher
Mensch. Wenn es diesem Wesen schlecht geht, bringt man es zum Tierarzt in
der Hoffnung, dass ihm geholfen wird – und manchmal kommt man nur
mit der Leine oder dem Käfig in der zitternden Hand und einem Fluss
von Tränen nach Hause. Loslassen unter Schmerzen. Die erste große
Liebe, die wunderschöne Zeit des Träumens und sich Hingebens.
Doch wenn das Feuer der Liebe erlischt und die Träume zerbrechen, muss
man loslassen. Auch wenn das Herz in der Brust zu zerspringen droht und
das Leben sinnlos zu werden scheint. Man muss loslassen, damit es weitergehen
kann.
Es hört nicht auf, das Loslassenmüssen: Gesetzte Ziele aufgeben, neue abstecken. Auf Entwicklungen reagieren und lieb gewonnene Gewohnheiten hinter sich lassen. Auch hier loslassen für Neues. Loslassen von den Dingen der Jugend, von der Frische und Vitalität des schönen Äußeren, wenn die Jahre und Jahrzehnte dahineilen und der Geist zwar jung bleibt, doch der Körper ihm die Gefolgschaft verweigert. Loslassen mit Würde. Geliebte Menschen werden krank und scheiden dahin, andere werden durch Unfall jäh aus unserer Mitte gerissen. Loslassen unter Trauer und Schmerzen und schließlich der eigene letzte Schritt, den jeder ganz alleine tun muss. Loslassen vom Leben, von der bekannten Welt, um in einer fremden Welt Neues zu entdecken. Nicht wissend, was wirklich passiert. Auch da muss man einfach loslassen, mit Mut und Vertrauen auf das, was kommt. Alles Losgelassene sammelt sich in der Erinnerung der Ewigkeit und schon bald werden wir diese Erinnerungen schauen können – und geschaut werden, denn auch wir sind Teil dieser Erinnerung und ruhen im Schoß dieser allumfassenden Ewigkeit.
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